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#1

Futterbericht, erster Teil (vorab)

in

Hilfeforum - Notfallfragen und reguläre Fragen

09.05.2006 18:51
von Heike | 2.572 Beiträge
Hallo,
das ganze ist noch nicht auf der Homepage zu finden! Da ich es allerdings schon so lange verspreche gibt es jetzt den ersten Teil im Forum. Kann sein, dass ich die ein oder andere Kleinigkeit noch mal daran ändern werde

Liebe Grüße an dich und deine Tiere
Heike

Bei manchen kommt die Einsicht erst, wenn ein Unglück passiert ist


Kleine allgemeine Futterkunde
In der freien Natur ernähren sich Sugar Glider hauptsächlich von Nektar, Pollen, Baumsäften, Insekten und kleineren Tieren. Die Menge variiert dabei. In den warmen Monaten besteht die Nahrung teilweise aus bis zu 60% Lebendfutter. Die Tiere nehmen das zu sich, was gerade verfügbar ist - dazu gehören auch Baumfrüchte. Stellt man sie allerdings vor die Wahl, entscheiden sie sich für Insekten.

Die domestizierten Glider – insofern man überhaupt schon davon sprechen kann – bekommen beim Menschen überwiegend Futter, das sie in dieser Form und Vielfalt in der freien Wildbahn nicht finden. Als die Sugar Glider in Europa auftauchten, setzte man ihren Namen gerne mit dem Hang zu Süßigkeiten bzw. süßen Sachen gleich. Diese Interpretation ist allerdings falsch. Der Name "Sugar Glider" rührt von der Tatsache her, dass diese Tiere die Rinde von Akazien- und Eukalyptusbäumen anritzen, um den Bäumen so ihre süßlichen Säfte zu entlocken. Sugar Glider dürfen zwar in einem gewissen Rahmen naschen, aber der erstreckt sich nicht auf das, was wir Menschen unter "Süßigkeiten" verstehen!

Am Anfang steht das große Fragezeichen
Anfänger quält oft die Frage, was und wie viel angeboten werden soll. Vorweg lässt sich erst einmal sagen, dass das Frischfutter am frühen Abend - am besten gegen 18 - 20 Uhr - in die Volieren gestellt werden sollte. Das sollte in mindestens zwei verschiedenen Näpfen geschehen, um allen Gruppenmitgliedern die Gelegenheit zu geben, in Ruhe zu fressen und Futterneid zu vermeiden. Erwachen die Tiere, führt ihr erster Weg zum Futterplatz, um die Nacht mit einem kleinen Mahl zu beginnen. Ob die Futterplätze gleich bleiben oder über die Woche verteilt an verschiedenen Stellen angeboten werden, bleibt jedem selbst überlassen. Oft wird die Umgebung der Futternäpfe stärker markiert als der Rest der Voliere - was bei wechselnden Plätzen eine leicht stärkere Duftbelastung bewirkt.

Die benötigte Menge Futter hängt von den angebotenen Nahrungsmitteln ab. Anfangs hat man das Gefühl, dass tausend komplizierte Dinge zu beachten sind. Nach ein paar Wochen hat sich allerdings alles so weit eingespielt, dass man sich gelegentlich fragt, warum es am Anfang so schwierig erschien. Es ist nicht kompliziert - es erfordert nur ein wenig Verständnis zwischen Tier und Mensch, was man in den ersten Tagen seiner Flugbeutlerhaltung natürlich noch nicht hat. Die Sicherheit kommt erst mit der Erfahrung!

Starthilfe
Pauschale Tipps können nicht für jeden einzelnen Sugar Glider gegeben werden, da alle individuelle Charaktere sind. Deshalb sollen hier nur ein paar kleinere Orientierungshilfen gegeben werden, um euch im Umgang mit eurer neuen Gruppe etwas schneller Sicherheit zu geben. Ihr starte mit ca. einem halben (großen) Kaffeebecher grob geschnittenen Obstsalat pro Tier. Ruhig in großen Stücken, allerdings gut geschält oder heiß abgewaschen (wegen den Hefepilzen auf der Obstschale). In den ersten Tagen werden neue Tiere weniger fressen, da sie genauso verunsichert sind, wie ihr es seid. Passt die Futtermenge für den nächsten Abend so an, dass sie etwas über der Menge liegt, die alle Tiere zusammen in der letzten Nacht gefressen haben. Ist das Futter vollkommen aufgefressen worden, müsst ihr die Menge erhöhen. Ist viel übergeblieben, könnt ihr um die übrig gebliebene Menge reduzieren.
Futterreste gehören am nächsten Tag spätestens vor Einbruch der Dunkelheit aus den Volieren. Im Sommer am Vormittag, um Fruchtfliegen zu vermeiden, die zur wahren Plage werden können. Futterbretter müssen täglich feucht abgewischt werden.
Im zweiten (kleineren) Napf könnt ihr die Alternative zum Obst anbieten - also Babybrei, Trockenfutter, Nektar, Joghurt etc. Je nachdem um was es sich handelt, kann man pauschal einen Teelöffel pro Tier anlegen.

Übrigens ist es immer wieder hilfreich, Sugar Glider frühestmöglich an viele verschiedene Nahrungsmittel zu gewöhnen. Bei älteren Tieren läuft es oft nach dem Motto: "Kenn ich nicht, mag ich nicht!". Was nicht heißt, dass sie sich nicht doch irgendwann bekehren lassen.
Obwohl der Speiseplan abwechslungsreich sein soll, ist es trotzdem wichtig, eine gewisse Regelmäßigkeit beizubehalten und nicht ständig die Produktpalette zu wechseln. Das gilt vor allem, wenn Produkte von unterschiedlichen Firmen eingesetzt werden. Wer zu durcheinander füttert provoziert Magen- und Darmprobleme. In etwa so, als würden wir heute chinesisch, morgen italienisch und übermorgen indisch essen. Entweder man hat einen Magen aus Stein, oder liegt danach flach.

Schwerpunkt 1: Erhöhter Calciumbedarf
Gleitbeutler benötigen deutlich mehr Calcium, als sie mit der Nahrung zu sich nehmen können. Calcium ist, wie wir alle früher gepredigt bekommen haben, ein wichtiger Bestandteil des Knochenaufbaus. Erhält der Körper nicht genügend Calcium, dann weichen die Knochen auf und sind deutlich anfälliger für Frakturen. Da dieser Vorgang meist sehr leise und schleichend vor sich geht, erkennen wir als Halter leider erst im Endstadium den labilen Zustand unserer Schützlinge. Wenn sich Trägheit im Verhalten bemerkbar machen, ist eine Rettung oft schon zu spät. Körperliche Anzeichen sind vor allem Probleme mit den Hüftgelenken, das heißt Schwierigkeiten in der Motorik und nachziehen der Hüfte. Nicht selten sind hier deformierte Knochen schuld. Eine "Wunderheilung" gibt es nicht. Ein erkranktes Tier gesunden zu lassen ist ein langer Prozess, den viele nicht überleben. Aus diesem Grund muss die Nahrung mit stark calciumhaltiger Produkten vorsorglich ergänzt werden. In keinem Haushalt mit diesen Tieren sollte ein reines Calciumprodukt fehlen. Da das Thema von mir sehr intensiv aufgearbeitet wurde, steht es in einem extra Bericht, der für jeden Halter Pflichtlektüre ist! Es ist sehr wichtig die korrekte Dosierung zu finden, um einerseits Mangelerscheinungen vorzubeugen und andererseits Vergiftungserscheinungen (sprich zu viel) vorzubeugen. Deshalb reicht eine leichte Gabe von 2 bis 3 mal in der Woche vollkommen aus.

Schwerpunkt 2: Darmunterstützung gewährleisten
Zusätzlich zum Calcium liegt der haltungstechnische Schwerpunkt auf einer darmfreundlichen Nahrung. In freier Wildbahn nehmen Sugar Glider viele unterschiedliche "natürliche Antibiotika" auf, die sie in der Heimhaltung nur von ihren Haltern erhalten können. Hierbei handelt es sich um kleinere Mengen Honig (am besten Manukahonig aus dem Reformhaus), Akaziengummi (als Pulver aus der Apotheke), Blütenpollen (Reformhaus oder Supermarkt) und Nektar (Fachhandel für Vögel). Auch zu diesem Thema gibt es einen sehr ausführlichen Bericht unter diesem Link, der euch den Sinn und die Notwendigkeit erläutern kann.

Futterplätze
Nach jahrelanger Erfahrung - leider auch in einer eigenen Gruppe - kann ich euch nur eins predigen: Egal wie klein die Gruppe ist, egal wie gut sich die Tiere verstehen und egal was und vor allem wie viel ihr füttert - benutzt niemals dauerhaft nur einen Napf! Ich habe bereits mehrfach mitbekommen, dass ein einzelner Futterplatz zu Streit führt. Wenn sich eines der Tiere als "Hengst" aufspielt, verteidigt es den Futternapf. Dabei kann das Tier satt sein und der Napf bis oben hin voll. Jeder, der sich dem Napf nähert, bekommt Ärger. Die schwächeren Tiere werden verjagt und magern ab, können ihren Calcium - und Energiebedarf nicht mehr decken und werden werden ernsthaft krank. Auch die Rangordnung in der Gruppe wird schwieriger, da die sozialen Unterschiede deutlich ausgeprägter sind. Nur der stärkere überlebt.... Wer von euch Interesse hat, kann die Geschichte gerne an dieser Stelle vertiefen. So sozial und friedliebend Sugar Glider sind - vorbeugen ist besser als nachsehen. Nach meinen schlechten Erfahrungen spüle ich morgens lieber zwei Näpfe aus als einen. Vorsicht ist besser als Nachsicht.
Futternäpfe müssen nicht zwingend an einer hohen Position stehen. Sie sollten aber auf jeden Fall so aufgestellt sein, dass sie nicht herunter geschubst werden können. Alleine schon deshalb haben sich schwere Keramiknäpfe bewährt.

Benimm - kenn ich nicht!
Nahrungsmittel fester Konsistenz werden in die Vorderpfoten genommen und in einer gemütliche Fressposition vertilgt. Anfangs hatte ich einen Gitterkäfig, bei dem mein Weibchen meist an der Decke hängend gefressen hat. Nachteil bei dieser Eßgewohnheit ist, dass die Schalen und der restliche Obstmatsch gerne rücksichtslos von den Pfoten geschleudert werden. Dementsprechend sieht auch das Umfeld aus - selbst außerhalb der Voliere.
Später ging ich zu Volieren über, bei denen nur die Front geöffnet ist. Erfahrung macht halt klug. Deshalb kann ich jedem Halter raten, wenigstens eine teilweise geschlossenen Voliere zu nehmen. Ansonsten kann man regelmäßig renovieren. Im Freilauf sollte Futter nur an geschützten Stellen angeboten werden, wenn überhaupt (z.B. besondere Belohnungen, die nicht aus der Hand gefüttert werden). Volierentipps gibt es ebenfalls in Sonderberichten.

Die Breite des Obstangebots
Ihr könnt von Zitrusfrüchten (bitte nur sehr wenig!) bis hin zu Bananen (stopfend!) und Weintrauben so ziemlich alles anbieten. Allerdings sind die Kleinen recht wählerisch, und jedes Tier bevorzugt eine andere Obstsorte (auch hierzu wieder ein Sonderbericht). Achtet darauf, dass ihr möglichst calciumreiche Früchte verfüttert, und dass der darin enthaltene Phosphorwert (hier gibt es eine Übersicht über die gebräuchlichsten Sorten) dafür um so geringer ist. Am besten empfiehlt sich ein Nachschlagewerk für Inhaltsstoffe (Literaturtipps). Der Standard an Früchten besteht bei mir aus Melonen, Äpfeln, Weintrauben (kernlose), Birnen, Salatgurke, Möhren (geschabt), Blumenkohl (tiefgefrorener "Kaiser-Mix") und Sharon Früchten.

Trinkwasser muss sein
Besonders wichtig ist es, genügend Wasser zur Verfügung zu stellen. Obwohl die Glider sich den größten Feuchtigkeitsanteil aus dem Obst bzw. Gemüse holen, brauchen sie zusätzlich einen Napf mit Trinkwasser (normales Leitungswasser). Denn bereits nach einem einzigen Tag, ohne einen ausreichenden Wasserausgleich, kann es bei ihnen zu Ausfallerscheinungen und gesundheitlichen Schäden kommen. Die Wassermenge, die in einer Nacht aufgenommen wird, ist nicht zu verachten, denn Glider scheiden sehr viel Urin aus (Markierung) und verlieren auf diesem Weg eine Menge Flüssigkeit. Wasser kann sowohl in der Tränke als auch im Napf angeboten werden, wobei der Napf weiter verbreitet ist. Einen triftigen Grund gibt es dafür nicht. Bei Tränken ist die Technik nur immer so eine Sache (Tropfen, verstopfen, mit Bürste reinigen).

Mineralwasser (calciumreiches) ohne Kohlensäure ist ab und zu ebenfalls okay. Gleiches gilt für den Zusatz von ungezuckerten Fruchtsäften (Apfelsaft,. Birne... ). Nicht okay sind unverdünnte Fruchtsäfte mit Konservierungsstoffen und Zucker, egal wie verrückt die Tiere danach sind.

Tiere fressen Tiere
Tierisches Eiweiß (zu fast 40% vom gesamten Futter benötigt) ist für Sugar Glider mehr als wichtig. An mehreren Tagen in der Woche müssen entweder Mehlwürmer (nur geringe Anzahl, da sie sehr viel Fett enthalten – bei mir sind es pro Glider 3 bis 4), Heuschrecken oder andere Insekten verfüttert werden. Wanderheuschrecken (mittel) haben sie im wahrsten Sinne des Wortes zum fressen gerne. Große Heuschrecken (ca. 6 cm) werden ebenfalls sehr gerne genommen. Gleiches gilt für Heimchen und Grillen.

Ich füttere zwischendurch als krabbelnde Alternative die Buffalowürmer, da sie nicht so extrem fetthaltig wie ihre Verwandten, die Mehlwürmer, sind. Für Wachsmaden (auch Honigmaden oder Wachsmottenlarven genannt) würden meine Glider alles tun. Die großen Maden werden zum Teil mit Honig ernährt und schmecken entsprechend. Die oft empfohlen Zophobas – etwa 4 bis 6 cm langen, dicken Raupen – sind ein Thema für sich. Anfangs habe ich damit sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Die Tiere haben sie schlichtweg verweigert. Inzwischen gehören sie zu den heißgeliebten abendlichen Snacks, die keiner mehr missen möchte. Die Zophobas sollten allerdings zusammen mit Calcium verfüttert werden, da sie ein sehr ungünstiges Verhältnis aufweisen. Am Rande sei zu bemerken, dass alle Raupen und Würmer einen recht hohen Fettanteil haben und deshalb eher als Zusatz zu Hüpfern verfüttert werden sollten.

Es ist Sache der Glider, was sie an Lebendfutter akzeptieren und was nicht. In all den Jahren habe ich trotzdem eins gelernt: Nie aufzugeben und es immer mal wieder zu probieren. Gewohnheiten sind veränderbar!

Informationen über die Wichtigkeit und den Ekelfaktor von Lebendfutter gibt es in diesem Sonderbericht



zuletzt bearbeitet 09.05.2006 18:51 | nach oben springen

#2

RE: Futterbericht, erster Teil (vorab)

in

Hilfeforum - Notfallfragen und reguläre Fragen

09.05.2006 20:43
von palme (gelöscht)
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hallo heike.. vielen dank für den ausführlichen bericht!!!!!!

gruß palme


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